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textintern 19.10.2011

"Über Innovationen stolpert man nicht so einfach"

textintern: Warum setzen Sie so auf Innovationstrategie? Wovon wurde Gannett "angegriffen"?

Ramos: Wir haben einen Frontalangriff erlebt. Unser Geschäft wurde direkt von dem dramatischen Technologiewandel betroffen. Die Technologie hat viele der Bereiche demokratisiert, die früher einer Zeitung oder Fernsehstation vorbehalten waren - Content-Erstellung, Veröffentlichung und Vertrieb. Jeder, der heute einen Computer und einen Internetanschluss hat, kann ein Medienunternehmen gründen. Gannett musste auf diese gesellschaftlichen Innovationen reagieren, indem es einen unternehmensübergreifenden Ansatz in der Innovationspolitik geschaffen hat.

textintern: Welche sind die wichtigsten Eckpfeiler Ihrer Innovationsstrategie?

Ramos: Als wir damit begannen, haben wir eine erhebliche Menge in die Forschung von "Best-of-Breed"-Strategien gesteckt. Wir orientieren uns an Clayton Christensens Theorie von der "disruptiven Innovation" ( zielt darauf ab, neue Märkte oder neue Kunden durch eine radikale Änderung der Produkte anzusprechen, die Red.). Dann haben wir versucht von der Designfirma IDEO zu lernen. Wir informierten uns über - auf den Menschen konzentrierte- Designansätze und lernten, wie diese in große Betriebsorganisationen eingeführt werden können ( die Firma IDEO entwickelte z. B. die Computermaus von Apple oder den Stromzähler von Yello, die Red.). Seit 2007 haben wir gelernt, wie man die beiden Methoden verschmelzen und in die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiter einbinden kann. Beide Methoden verlassen sich stark aufdas Erzählen von Geschichten - das ist eine Kernkompetenz einer Medienfirma wie Gannett.

textintern: Wie sieht Gannetts Integration seiner verschiedenen Marken und Produkte in diesem ganzheitlichen Ansatz aus?

Ramos: Unser Ansatz ist bezüglich der Marken und Produkte agnostisch. Gannetts Strategie zielt darauf ab, die Meinung der Verbraucher direkt in unsere Angebote einzubinden. Wir verwenden auf den Menschen bezogenen Designansätze, um herauszufinden, wie man Leser und Anzeigenkunden, die wir bedienen, besser einbinden kann. Wir glauben, dass jeder an Innovationen teilhaben kann, der Verhaltensweisen zeigt, die essentiell wichtig für den Erfolg sind: Neugier, ein Mangel an Ego und Aufgeschlossenheit.

textintern: Warum ist konsequente Innovation so wichtig für Verlage?

Ramos: Die Geschwindigkeit der kulturellen und technologischen Veränderungen findet so rasant statt, dass wir kaum Schritt halten können. Unsere Leser und Anzeigenkunden setzen sich ständig auf der Ebene Verbraucher/Produzent auseinander und wenn wir nicht mit Angeboten reagieren, werden wir nicht relevant bleiben.

textintern: Was sind die größten Missverständnisse der Verlage beim Versuch der Umsetzung einer Innovationskultur?

Ramos: Die Annahme, wir könnten einen Zauberstab schwingen und plötzlich innovativer werden. Es ist unmöglich, einfach in Innovationen hineinzustolpern. Nur wenige Unternehmen haben das Glück, mit einer einzigen Idee erfolgreich zu sein. Tatsächlich benötigen Unternehmen viele, viele Ideen und einen konkreten, definierten Prozess dafür, wie diese auszubrüten sind. Der Aufbau einer Kultur, die versteht, wie man aus fehlgeschlagenen Experimenten lernt , ist eine große Leistung und entscheidend für die Förderung einer Innovationskultur.

textintern: Es ist unverzichtbar für Verlage geworden, innovativ zu sein und zu bleiben. Aber die wenigsten Verlage haben heutzutage einen integrierten, strategischen Ansatz für das Innovationsmanagement. Was sind die Gründe für diese "Diskrepanz"?

Ramos: Mehrdeutigkeit und Unsicherheit sind zwei Komplexe, mit denen sich Führungskräfte schwer tun, da sie nicht gut in Tabellenkalkulationen passen. Um erfolgreiche Innovation in einer großen Organisation durchzuführen, muss man die herkömmlichen Geschäftspraktiken durch die ersetzen, die von von handelnden Personen, also erfolgreichen Unternehmern, genutzt werden. Anstatt ein überall bekanntes Geschäftsmodell anzuwenden, findet man innovative Ideen in der Regel, wenn man nach einem neuen Geschäftsmodell sucht und ausprobiert. Aber: Wir sind oft nicht geduldig genug, um herauszufinden, ob unsere Ideen wirklich funktionieren werden.

Übersetzung: Tim Personn

Laura Ramos ist Vice-President of Innovation & Design bei Gannett, dem größten Zeitungshaus der USA. Bekannteste überregionales Produkt ist USA Today. Der Medien-Konzern betreibt weit über 100 regionale Tageszeitungen und diverse TV-Sender,er beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter. Laura Ramos ist Top-Referentin bei dem Expertenforum in Hamburg.

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