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textintern 07/2011

Der Kongress der guten Hoffnung

Macht nicht die selben Fehler – das ist der Neustart, eine zweite Chance! Noch so eine kommt nicht mehr“. Mit diesem Appell starten 100 Teilnehmer Anfang Juni in ein Informationsmarathon, den die VDZ Akademie mit ihrem Expertenforum „Mobile Media 2011!“ veranstaltet. Dieser fast schon beschwörende Aufruf stammt von dem Software-Entwickler Staffan Ekholm, CEO von Moving Media+. Der auf die Entwicklung von iPad-Angeboten spezialisierte Schwede eröffnet mit dem britischen Consultant Juan Senor die Referate. Und die beiden halten nicht ohne Grund den Eröffnungspart von zehn Vorträgen. Sie sind der „Wakeup“. Sie bringen internationales Flair in die Diskussion rund um „Tablets, Apps & Co.“ – und sie bringen die Dinge auf den Punkt. „Das iPad ist die größte Medieninnovation seit Gutenberg“ oder „Das journalistische Geschichtenerzählen ist die Re-Investition, in Plattformen müssen wir nicht investieren“, so fokussiert Senor seine Thesen, seine Empfehlungen an
die Verlagsmanager im Publikum.

Die meisten der Teilnehmer sind sicherlich nach Hamburg angereits, um Erfahrungen und Tipps zu bekommen, wie sich die Einbrüche im Werbemarkt durch neue digitale Erlösquellen und Geschäftsfelder wettmachen lassen. Sie wollen wissen, welche HTML-Technologien wichtig werden, ob und wenn welche Smartphones das Rennen machen
oder wie Apps Geld in die Kassen bringen können. Zahlreiche Verlags- und Medienhäuser planen oder setzen bereits digitale Ableger ihrer Kernmarken um. Im Mittelpunkt stehen meist Zusatzprogramme (Apps) für Multimedia-Handys und Tablets. Der Kongress zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben. Während vor vier, fünf Jahren Multis wie Nokia oder Microsoft im Zentrum von Zukunftsdiskussionen standen, sind aktuell der iPad-Hersteller Apple sowie das offene, von Google entwickelte Betriebssystem Android Wachstumstreiber. Der Markt explodiert: Ende Januar 2011 wurde die Grenze von 10 Milliarden Downloads überschritten. „Gründe für die steigende Nutzung des mobilen Internets sind attraktive Flatrates sowie neue Geräte und Anwendungen. Besonders das Interesse an Tablet-PCs ist derzeit ungebrochen groß“, so beschreibt die VDZ Akademie die Lage.

Neueste Studien bestätigen dies: Das Marktforschungsunternehmen eMarketer prognostiziert für 2011 ein weltweites Absatz-Volumen von 24 Millionen Tablets. Der Markt dieser Mobilgeräte bietet Verlagshäusern gänzlich neue Möglichkeiten hinsichtlich der Distribution, Darstellung und Crossmedialität digitaler Inhalte.

Neben den zahlreichen Chancen, welche die neuen Trägermedien bieten, stehen Verlagshäuser vor der Herausforderung ihr Inventar für die neuen mobilen Medienkanäle zielgruppen- und titelgerecht optimal aufzubereiten, so formuliert es der Geschäftsführer der VDZ Akademie Sven König zur Begrüßung des Forums: „Im Mobile-Business
steckt unglaubliches Wachstums- und Erlöspotenzial. Keine Gattung kann in allen Bereichen mit so hohen Wachstumsraten aufwarten“, begründet König Zielrichtung der bewusst an der Praxis orientierten Veranstaltung.
 

Doch die Verunsicherung ist groß. Viele deutsche Unternehmen haben – genauso wie sonst in westlichen Industrieländern – kaum geeignet Paid-Content-Modelle umgesetzt, viel zu viele Inhalte sind kostenfrei ins Internet transferiert worden – eine crossmediale Vermarktung sieht anders aus. Denn am Ende zahlen nur die Anbieter. Und das ist ein Dilemma, das ja auch allen Medienunternehmen bewusst ist.

Besonders vor dem Hintergrund, dass die Nutzer in Deutschland digitale Technik und Angebote generell positiv beurteilen und auch nachfragen. Laut der Studie „Digitalbarometer Tablet-PCs“ des Marktforschers TNS Emnid wollen User damit am liebsten Musik hören und Video-Clips schauen. 45 Prozent würde Tageszeitungen und gut ein Drittel auch Zeitschriften lesen. Das attraktivste Genre für eine App ist laut Studie das Thema „Nachrichten“. 70 Prozent der Teilnehmer halten solche Anwendungen für interessant. Grundsätzlich ist ein Drittel der Nutzer bereit, für Apps zu bezahlen. Der „In- App-Sales Studie“ von Mücke, Sturm & Company (MS&C) zufolge werden 2013 voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro durch App-Downloads umgesetzt. Aufgrund des rasanten Wachstums des App-Angebotes in den zahlreichen App-Stores steige für Unternehmen in Zukunft die Herausforderung, ihre Mobile Apps im Wettbewerb profitabel zu positionieren. Der Vormittag im Hamburger Hotel Elysee zeigt, wie ungewohnt für viele der Umgang mit neuen digitalen Kanälen ist. Die VDZ Akademie hat extra einen Hashtag eingerichtet, Moderator Ulrich Hegge versucht über Twitter-Account die Teilnehmer im Saal zum Kommentieren oder Fragen stellen zu animieren. Allerdings nutzt dies erst eine kleine Minderheit am Nachmittag. „Learning by doing“ hatte morgens der Schwede Ekholm empfohlen, nach einigen Stunden wurde dies auch umgesetzt. Auch via Facebook ist die Veranstaltung
präsent, hier können Interessierte – am Computer oder Smartphone – die Redebeiträge verfolgen. Zwei Diskussionsrunden werden 30 Minuten lang live im Facebook TV übertragen. Interviews werden gefilmt, ein VDZ-Mitarbeiter schreibt sich die Finger wund: Per Tweed fasst er die wichtigsten Beiträge häppchenweise zusammen. Die VDZ Akademie hat wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut, um nachhaltig zu belegen, wie moderne Medien funktionieren.

Die übrige Berichterstattung von textintern finden Sie hier.


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